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Teil 1 – Die Belichtungsparameter

Mit diesem Tutorial möchte ich euch einen kurzen und leichten Einstieg in die Welt der Fotografie geben. Dazu stelle ich euch in diesem ersten Teil die technischen Grundlagen vor und erläutere primär die Begriffe Blende, Belichtungszeit und ISO und welche Auswirkungen sie auf eure Fotos haben.

Fotografieren ist heute durch die modernen Smartphones, die im Normalfall alle eine Kamera besitzen, allgegenwärtig geworden. Um euch mit euren Fotos jedoch von den typischen „Smartphone-Touri-Fotos“ absetzen zu können, ist etwas mehr Verständnis darüber notwendig, wie eine Kamera funktioniert, bzw. wie Fotos aufgenommen werden. Dafür muss man sich als Fotograf früher oder später mit den Belichtungsparametern Blende, Belichtungszeit und ISO auseinandersetzen.

Alles, was ihr dazu braucht, ist eine Kamera, die sich in den manuellen Modus schalten lässt. Erst durch das Abschalten der Kameraautomatiken kann man verstehen, wie sich die verschiedenen Einstellmöglichkeiten auf ein Foto auswirken, und damit die Fotografie von Grund auf erlernen. Neuerdings gibt es auch schon bei vielen Smartphones die Möglichkeit, die Belichtungsparameter einzustellen, jedoch im Vergleich zu Systemkameras meistens nur mit stark limitierten Einstellmöglichkeiten.

Die Kamera ist auf den manuellen Modus eingestellt.

Welchen Einfluss haben die Parameter Blende, Belichtungszeit und ISO nun auf ein Foto? – Die Gemeinsamkeit der drei Parameter ist, dass sie, je nach Einstellung, mehr oder weniger Licht auf den Sensor der Kamera lassen und damit die Gesamthelligkeit des Fotos beeinflussen. Sie bestimmen also, wie hell ein Foto wird. Dabei können sie sich ergänzen oder gegenseitig aufheben. Zusätzlich hat jeder Parameter aber auch eine individuelle Eigenschaft, die sich auf das Foto auswirkt.

Die Parameter Blende, Belichtungszeit und ISO beeinflussen die Gesamthelligkeit des Fotos.

Wie funktioniert eine Kamera also? – Dazu können wir einen Vergleich mit dem menschlichen Auge anstellen, dem der Aufbau einer Kamera nachempfunden ist.

1. Die Blende (Iris und Pupille)

Dabei entsprechen Iris und Pupille der Blende einer Kamera. Jedem ist sicher schonmal aufgefallen, dass sich die Pupille weitet, wenn es sehr dunkel ist, und schließt, wenn es sehr hell ist. Genauso funktioniert auch die Blende an der Kamera, bzw. im Objektiv. Eine offene Blende, also eine Öffnung mit großem Durchmesser, hat eine kleine Blendenzahl und eine geschlossene Blende, eine Öffnung mit kleinem Durchmesser, eine große Blendenzahl. Der Blendenwert wird mit f/2,2, f/2,5, f/2,8, f/3,2 etc. (oder auch F 1.8, F 2.2, F 2.5, F 2.8, F 3.2 … F 16 etc.) angegeben. Der eigentliche Wert steht bei der Angabe unter dem Bruchstrich und deutet damit schon an, dass eine Vergrößerung des Wertes eine Verringerung des Lichteinfalls bedeutet.

Hinzu kommt, dass der Blendenwert sich nicht linear verhält. So lässt f/2,8 z. B. doppelt so viel Licht auf den Sensor wie f/4, also 3 Blendenstufen mehr.

Wichtig zu merken ist, dass eine große Blende eine kleine Blendenzahl hat, z. B. f/2,2, und damit viel Licht auf den Sensor lässt, und eine kleine Blende eine große Blendenzahl hat, wie z. B. f/16, und nur wenig Licht auf den Sensor lässt.

2. Die Belichtungszeit / Der Verschluss (Das Augenlid)

Unser Augenlid können wir mit dem Verschluss der Kamera vergleichen. Öffnen wir das Augenlid nur kurz, haben wir eine kurze Belichtungszeit, lassen wir es lange geöffnet, haben wir eine lange Belichtungszeit. Blickt ihr z. B. Richtung Sonne, lasst ihr das Augenlid nicht lange geöffnet, da es sonst zu hell wird und blendet. Schaut ihr im Vergleich dazu nachts in den Sternenhimmel, lasst ihr das Augenlid sehr lange geöffnet und werdet dabei feststellen, dass man nach und nach immer mehr Sterne am Himmel erkennt. Die Belichtungszeit regelt also, wie lange der Verschluss der Kamera (das Augenlid) geöffnet bleibt und damit Licht auf den Kamerasensor fällt. Die Belichtungszeit wird in Sekunden bzw. in Sekundenbruchteilen angegeben. Bei den meisten Kameras lässt sich zwischen 1/4.000, kurzer Belichtungszeit, und 30 Sekunden (alternative Anzeige 30“), also sehr langer Belichtungszeit, wählen.

3. Der ISO-Wert (Der Sehnerv)

Die ISO ist vergleichbar mit den Sehnerven in unserem Auge, die die Lichtempfindlichkeit je nach Helligkeit entsprechend justieren. Die ISO bestimmt somit die Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors. Je höher der ISO-Wert eingestellt ist, desto lichtempfindlicher ist der Sensor. Eine Verdopplung des ISO-Wertes entspricht einer Verdopplung der Helligkeit des Fotos. Die ISO verstärkt dabei elektronisch das auf den Sensor fallende Licht. Der ISO-Wert wird meist in folgenden, sich verdoppelnden Werten angegeben: 100, 200, 400 … 6.400, bei modernen Kameras auch deutlich mehr.

Individuelle Charakteristika der Belichtungsparameter

1. Die Blende (Iris und Pupille)

Lichtstarke Objektive haben eine sehr große Blendenöffnung, die Blendenwerte liegen z. B. bei f/1,4 oder f/1,8. Stellt man die größtmögliche Blende an der Kamera ein, spricht man auch von Offenblende. Die Nachteile einer großen Blendenöffnung sind das Gewicht des Objektivs, da für eine große Blende viel Glas in Form von Linsen notwendig ist, und der Preis.

Warum geben Fotografen aber so viel mehr für lichtstarke Objektive aus und nehmen auch noch das zusätzliche Gewicht in Kauf? – Die Antwort ist relativ einfach: Man kann mit lichtstarken Objektiven seine Motive sehr schön freistellen. Mit einer Änderung der Blendenöffnung verändert sich nämlich auch die Schärfentiefe des Bildes. Je größer die Blende (kleine Blendenzahl), desto geringer ist die Schärfentiefe, bzw. desto unschärfer der Hintergrund. Umgekehrt bedeutet das, dass du mit einer kleinen Blende (große Blendenzahl) eine größere Schärfentiefe erhältst, der Bereich, der auf dem Foto scharf abgebildet wird, ist also deutlich größer.

Das Foto wurde mit einer großen Blende von f/1,4 geschossen, wobei der Fokus auf dem Geäst im Vordergrund liegt, der Hintergrund verschwindet deutlich in Unschärfe.

Mit einer großen Blende kannst du zudem ein schönes Bokeh erzeugen. Der Begriff stammt aus dem Japanischen und bedeutet „unscharf“. Mit dem Begriff wird die subjektive Qualität von unscharfen Bereichen beschrieben. Die Qualität des Bokeh ist u. a. abhängig von der Form und der Anzahl von Blendenlamellen im Objektiv. Festbrennweiten erzeugen zumeist ein schöneres Bokeh als Zoomobjektive, aber hier geht es, wie schon gesagt, um die subjektive Qualität.

Dieses Foto wurde mit gleichem Fokus, aber deutlich kleinerer Blende (f/16) aufgenommen, dadurch vergrößert sich die Tiefenschärfe.

2. Die Belichtungszeit / Der Verschluss (Augenlid)

Die Belichtungszeit entscheidet, ob du ein Foto aus der Hand aufnehmen kannst, oder ob du ein Stativ benötigst, um eine unverwackelte Aufnahme zu erhalten. Des Weiteren regelt sie, wie stark Objekte, die sich bewegen, verwischt dargestellt werden (z. B. Autos, fließendes Wasser). Die Zeit, bei der du noch aus der Hand fotografieren kannst, ohne zu verwackeln, ist sehr kurz. Sie liegt ungefähr bei 1/60 Sekunde oder noch deutlich kürzer und ist abhängig davon, wie ruhig du eine Kamera halten kannst, ob du dich z. B. irgendwo anlehnst, ob dein Objektiv einen eingebauten Verwacklungsschutz (Vibration Reduction) hat und welche Brennweite du einsetzt.

Das Foto wurde mit einer Belichtungszeit von 1/100 aufgenommen. Das fließende Wasser ist mehr oder weniger eingefroren und die Wasseroberfläche wirkt hart.

Lange Belichtungszeiten lassen sich mit einem Stativ aber auch optimal nutzen, um (bewegte) Motive gezielt in Szene zu setzen, in diesem Fall spricht man auch von Bewegungsunschärfe. Hierzu zählen z. B. Stadtpanoramen bei Nacht, vielbefahrene Straßen oder Autobahnen. Fließende Gewässer oder Wasserfälle lassen sich mit langen Belichtungszeiten ebenfalls sehr ruhig darstellen und bei der Astrofotografie kommst du ohnehin nicht um lange Belichtungszeiten herum.

Bei diesem Foto wurde die Belichtungszeit auf 2 Sekunden verlängert, wodurch die Wasseroberfläche weicher wird und verschwimmt.
Hier beträgt die Belichtungszeit schon 15 Sekunden, die Wasseroberfläche ist dadurch nochmal deutlich weicher.

3. Der ISO-Wert (Der Sehnerv)

Die ISO kann gerade in dunklen Umgebungen, in denen man ein Motiv statisch einfangen möchte, sehr hilfreich sein, um das Bild entsprechend aufzuhellen. Speziell bei der Indoor-Sportfotografie kommt man nicht umher, mit einem höheren ISO-Wert zu fotografieren. Selbst bei maximal geöffneter Blende fällt nicht genug Licht auf den Sensor, da die Belichtungszeit nicht unendlich verlängert werden kann, sonst würden die Sportler ja mit einer gewissen Bewegungsunschärfe aufgenommen werden.

Ein hoher ISO-Wert bringt allerdings auch einen gravierenden Nachteil mit sich, da er das Bild deutlich „körniger“ macht. Man spricht hier auch von Bildrauschen. Moderne Kameras können mit höheren ISO-Werten grundsätzlich besser umgehen, das heißt, dass weniger Bildrauschen entsteht als bei älteren und günstigeren Kameras. In Bezug auf die ISO gilt die Faustregel: So hoch wie nötig, so niedrig wie möglich.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, den ISO-Wert immer auf der niedrigsten Einstellung, meistens 100, zu lassen und davon ausgehend die anderen Parameter so einzustellen, dass man die gewünschte Belichtung erhält. Erst wenn Blende und Belichtungszeit das Bild nicht weiter aufhellen können, sollte der ISO-Wert hinzugenommen werden.

Dieses Foto wurde mit einem ISO-Wert von 32.000 aufgenommen. Die dadurch entstehende Körnung ist besonders in den dunklen Bereichen des Fotos deutlich zu erkennen.
Hier noch mal das gleiche Foto mit einem vergrößerten Ausschnitt, auf dem das Bildrauschen noch deutlicher zu erkennen ist.

Kombination

Wie schon erwähnt, können sich die 3 Parameter gegenseitig ergänzen oder aufheben. Ein Foto, das mit 1/3 Sekunde und ISO 100 aufgenommen wird, ist bei 1/6 Sekunde und ISO 200 gleich hell, vorausgesetzt, die Blende bleibt gleich eingestellt. In dem Fall haben sich die Parameter Belichtungszeit und ISO gegenseitig aufgehoben.

Lässt sich ein Bild selbst bei Offenblende und einer Belichtungszeit, die es so gerade noch ermöglicht, verwacklungsfrei aus der Hand zu fotografieren, nicht mit der gewünschten Helligkeit darstellen, so kann hier die ISO ergänzend eingreifen und doch noch zur gewünschten Belichtung führen. Frei nach dem Motto: „Lieber ein verrauschtes Bild als gar kein Bild“.

Resümee

Zusammenfassend haben wir jetzt gelernt, wie die 3 Parameter jeder für sich funktionieren, und auch schon an ein paar wenigen Anwendungsbeispielen, wie sie in Kombination eingesetzt werden können. Der Aufbau einer Kamera ist dem des menschlichen Auges nachempfunden. Wenn ihr also mal nicht sicher seid, welcher Parameter wie funktioniert, hilft es vielleicht, sich noch einmal den Vergleich zum Auge vorzustellen.

Die Gemeinsamkeit aller Parameter besteht darin, dass sie je nach Einstellung mehr oder weniger Licht auf den Kamerasensor durchlassen, prägt euch dafür das eingangs gezeigte Diagramm genau ein. Dabei hat jeder dieser Parameter auch eine für sich typische Eigenschaft, die Vor- und Nachteile haben kann, die aber auch je nach Fotografiestil bewusst eingesetzt werden kann.

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